Beschäftigungs­zuwachs im Fokus

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Die Zahl der Erwerbs­tätigen in der Metall- und Elektroindustrie ist in Deutschland seit der Wirtschafts- und Finanzkrise deutlich gestiegen. Mit der Entwicklung der Produktion
allein lässt sich der Zuwachs nicht erklären. Was also sind die Ursachen für die vermehrten Einstellungen?

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as Phänomen ist bereits seit dem Ende der Krise von 2009 in der deutschen Metall- und Elektroindustrie zu beobachten: Während die Arbeitsproduktivität in den Betrieben kaum zulegt, wächst die Zahl der Erwerbstätigen deutlich. Die Wachstumsrate liegt dabei sogar höher als vor der Krise von 2009. Für diese auf den ersten Blick konträre Entwicklung gibt es mehrere mögliche Erklärungen:


Mehr produktbegleitende Dienstleistungen

M+E-Unternehmen bieten heutzutage häufiger Servicepakete an, um ihre Kunden ganzheitlich betreuen zu können. Allerdings sind Dienstleistungen in der Regel mit einer niedrigeren Arbeitsproduktivität verbunden, da hier der Kapitaleinsatz geringer ist. Nimmt die Bedeutung von Kundenberatung, Wartungsservice etc. zu, beeinflusst dies den Produktivitätsdurchschnitt negativ. Und tatsächlich: Der Dienstleistungsanteil am Produktionswert lag in den M+E-Branchen lange konstant unter fünf Prozent, ist aber nach der Finanzkrise auf 8,1 Prozent im Jahr 2013 gestiegen.


Digitalisierung

Ein Argument, das im Zusammenhang mit dem Personalaufbau oft genannt wird, ist die Digitalisierung. Zuerst müssten Fachkräfte eingestellt werden, erst später würden sich Erträge in Form von höherer Produktivität realisieren, lautet die These. Doch verschiedene Studien des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigen für die Gesamtwirtschaft, dass die Digitalisierung nicht die Ursache für den Beschäftigungsanstieg ist. Zwar wirkt sich die Digitalisierung, die mittlerweile große Teile der Wirtschaft erreicht hat, auf die Dynamik bei Einstellungen, Abgängen und Qualifikationsanforderungen aus. Doch insgesamt haben die Investitionen in digitale Technik bislang keinen großen Einfluss auf die Beschäftigtenzahl gehabt.


Mehr Forschung und Entwicklung (FuE)

Die Globalisierung der Metall- und Elektroindustrie kann sich ebenfalls auf die Beschäftigung auswirken. Denn wenn die Auslandsstandorte, an denen in der Regel nur produziert wird, wachsen, benötigen die Betriebe mehr Personal für Forschung und Entwicklung. Diese zusätzlichen Mitarbeiter werden jedoch vornehmlich in Deutschland beschäftigt. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass die Unternehmen ihre Belegschaften im FuE-Sektor in der Tat aufgestockt haben (Grafik Seite 11). In der M+E-Industrie arbeiteten 2015 rund 256.000 Menschen im FuE-Bereich – gut 17 Prozent mehr als noch 2007. Inwieweit ein direkter Zusammenhang zwischen den Produktionsstätten im Ausland und dem Beschäftigungsaufbau in Deutschland besteht, ist bislang aber noch nicht empirisch erforscht worden. »


Mehr Verwaltung für Auslandsstandorte

Apropos Ausland: Wie stark die deutsche M+E-Industrie inzwischen auf Standorte im Ausland setzt, lässt sich an den Direktinvestitionen im Ausland ablesen: Deren Bestände lagen im Jahr 2015 bei rund 208 Milliarden Euro. Die Produktionsstätten fernab der Heimat müssen gesteuert werden, dazu braucht es Personalleiter, Controller und andere Fachkräfte in den Unternehmenszentralen. Steigt die Zahl dieser Mitarbeiter, hat dies allerdings keine Auswirkungen auf die Inlandsproduktion – die hiesige Produktivität sinkt entsprechend. Zahlen zu diesem Aspekt liegen nur für das Verarbeitende Gewerbe insgesamt vor. Dort ist der Anteil der Beschäftigten im Management von 2007 bis 2015 um 2,4 Prozentpunkte gestiegen. Eine direkte Korrelation zwischen dem Auslandsgeschäft und dem Beschäftigungsaufbau müsste jedoch noch empirisch untersucht werden.


Fachkräfteengpässe

Ein großes Problem für die M+E-Betriebe ist seit Jahren der Fachkräftemangel (Grafik unten). In der Metall- und Elektroindustrie kamen 2015 lediglich 163 Arbeitslose auf je 100 offene Stellen. Das ist insofern problematisch, als man davon ausgeht, dass in Deutschland nur jeder zweite freie Arbeitsplatz bei der Arbeitsagentur gemeldet wird. Folglich gab es bereits 2015 nicht genügend qualifizierte Kräfte für die vakanten Posten. Inzwischen hat sich die Lage noch verschärft – seit Februar 2017 übersteigt die Zahl der freien Stellen in der M+E-Industrie die der gemeldeten Arbeitslosen. Aktuell stehen 161.000 vakanten Arbeitsplätzen nur 131.000 Arbeitslose gegenüber. Möglicherweise hängt die Personalpolitik der Unternehmen daher nicht mehr so stark von der Entwicklung der Wertschöpfung ab wie früher. Vielmehr könnten die Firmen vor allem darauf bedacht sein, sich die freien Fachkräfte zu sichern, um im Falle einer positiven Entwicklung der Geschäfte nicht erst nach Angestellten suchen zu müssen und eventuell nicht fündig zu werden. Aus alledem folgt, dass es den einzig wahren Grund für den Anstieg der Beschäftigungszahlen in der M+E-Industrie nicht gibt. Vielmehr scheinen unterschiedliche Faktoren Einfluss auf die Entscheidungen der Unternehmen gehabt zu haben. Um mehr Klarheit zu gewinnen, sollten die verschiedenen Thesen empirisch geprüft werden.