Interview mit Richard Haxel, Geschäftsführer BITO CAMPUS

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Seit 1. Dezember 2016 ist Richard Haxel Geschäftsführer des BITO CAMPUS. Ein Jahr mit vielen Herausforderungen, viel Spannendem, viel Tatkraft und vielen Eindrücken und Erlebnissen.

Richard Haxel, seit über einem Jahr sind Sie Geschäftsführer des BITO CAMPUS. Nach Fertigstellung des Umbaus haben Sie im Sommer 2017 anlässlich der Eröffnung des BITO CAMPUS auch selbst Ihr Büro dort bezogen. Was haben Sie im ersten Jahr dieses BITO-eigenen Startups denn so alles erlebt …?

Richard Haxel: Die erste Herausforderung war tatsächlich die Begleitung der Umbauphase der denkmalgeschützten alten Volksschule. Eine Baustelle, die viel Zeit einforderte und mit einigen Hindernissen, die es zu überwinden galt. Das hat letztendlich aber alles gut funktioniert. Die Eröffnungsfeier war eine Punktlandung. In den Stunden davor waren noch die Maler und Elektriker am Werk – das war schon sportlich und ich hätte nicht gedacht, dass kurze Zeit später alles für die Eröffnung bereit sein wird.


Ist alles so geworden, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Ja – und sicher besser. Natürlich ergeben sich mit der Zeit immer Dinge, die man im Vorfeld anders geplant hatte. Die sieben Wohnappartements zum Beispiel: Ursprünglich war gedacht, den größten Teil davon erst mal unmöbliert anzubieten. Ich habe aber dann festgestellt, dass die möblierten Wohnungen zum einen schneller vermietet werden konnten und zum anderen sind möblierte Appartements auch ideal, um dort z.B. BITO-Mitarbeiter, die etwa in der Probezeit sind, BITO Außendienstmitarbeiter oder auch die Kollegen der Töchtergesellschaften unterzubringen.


Wer arbeitet außer Ihnen noch vor Ort im BITO CAMPUS-Team?

Melanie Walther hilft stundenweise als All-In-One-Managerin für Wohnungen, Büros und Events und einmal die Woche unterstützt mich Lena Schweitzer in
kreativen Aufgaben. Seit 1. Dezember 2017 arbeitet zudem Kathrin Ramlow vor Ort fest im Team, um mir viele Dinge abzunehmen, da ich für den BITO CAMPUS und auf der Suche nach neuen Startups auch oft in ganz Deutschland unterwegs bin. Gleichzeitig laufen bei uns aber viele Projekte parallel an, die organisiert und auch immer von vor Ort aus betreut werden müssen.

Wie läuft es aktuell mit der Vermietung der Büro- und Besprechungsräume?

Die Büroräume stehen zur tageweisen oder projektweisen Vermietung ebenso bereit wie zur Vermietung auf lange Sicht. Die Räume können auf unserer Website www.bito-campus.de angeschaut und darüber auch angefragt werden. Neben den ersten Startups, die in den CAMPUS eingezogen sind, hat z.B. im Herbst eines der größten Bauunternehmen der Region, Schneider Bau aus Merxheim, den großen Konferenzraum für ihr ganztägiges Führungskräfte-Training angemietet. Wir möchten eben auch für die Unternehmen der Umgebung ein „Nice-Place-To-Be“ sein – so werden wir zum einen weiter bekannt und haben über diese Art der Vermietungen ein zusätzliches Standbein. Natürlich nutzen auch BITO Mitarbeiter bereits regelmäßig die Veranstaltungsräume für Schulungen, Meetings und Konferenzen. Für 2018 planen wir auch Branchentreffen, wie z.B. einen E-Commerce- oder einen KI-Kongress bzw. Workshop.

Welche Veranstaltungen fanden bislang noch so statt?

Ich habe schon mehrere Netzwerktreffen organisiert oder zu After-Work-Events in den BITO CAMPUS eingeladen. Es gibt beispielsweise Abendprogramme für den BITO Außendienst und Events, zu denen auch alle BITO Mitarbeiter herzlich eingeladen sind. Jeder ist hier gern gesehener Gast und wir freuen uns darauf, allen Besuchern Fragen zu uns oder unseren Start­ups im Haus zu beantworten, alles zu zeigen und uns mit den Kollegen und Gästen auszutauschen. Je mehr Leben wir im CAMPUS haben, desto besser ist es. Darauf ist ein Ort wie dieser ja ausgelegt!


Und wie gehen Sie bei der Suche nach den richtigen Startups vor?

Es gibt verschiedene Wege: Einer ist das sogenannte „Scouting“: Hierfür treibe ich mich auf Messen, Pitch-events (z.B. Businessangeltreffen), Hochschulen, Netzwerktreffen herum, um passende Startups zu finden. Der nächste Schritt ist dann die „Sondierung“, um die Frage zu beantworten, welche der Startups denn wirklich relevant für uns sind. Dazu treffe ich mich mit den entsprechenden Existenzgründern und führe erste Gespräche. Wenn es zu passen scheint, schalte ich eine Kontaktperson von BITO mit ein, um die Idee der Gründer auch von professioneller Seite prüfen zu lassen.


Welche Projekte sind denn schon konkret zu nennen?

Da gibt es z.B. den iLift – eine hydraulische Hebeeinrichtung für Sackkarren in der Produktionslogistik zur Überwindung der letzten Meile. Oder 3D-Digify: Die Digitalisierung von Lager-/ und Produktionshallen mit 3-D-Punktwolken. Das Hochschulstartup aus Kaiserslautern wird mit einem EXIST-Gründerstipendium starten. Weiter: Artificial Ecosystems – eine sehr innovative Idee zur Begrünung von Außenanlagen – die Gründer sind derzeit auch Bewohner im BITO CAMPUS.

Zudem haben wir in 2017 zwei Beteiligungen bereits abgeschlossen, zwei weitere stehen kurz vor dem Abschluss. Abgeschlossen sind Schüschuh – eine Spielzeugbox. Dieses Augsburger Startup hatte seinen Unternehmenssitz bereits in Meisenheim angemeldet. Wir waren in der Umsetzungsphase und haben konkret an der Umsetzung des ersten Serienproduktes gearbeitet. Volumen für BITO wäre ca. 1,5 Mio. Euro gewesen. Leider sind wir hierbei in der weiteren Verhandlung gescheitert und werden die Beteiligung wieder auflösen. Auch mit solchen Rückschlägen muss man dann umgehen können, da so etwas in diesem Bereich leider auch dazugehört.

Eine andere abgeschlossene Beteiligung ist die Qbing Industrial Solutions in der Smart Factory der Hochschule Saarbrücken, die wir betreuen. Dieses Startup entwickelt eine Box in Form eines Hutschienengehäuses. Sie hebt sich in puncto Implementierungsaufwand und Bedienkomfort stark von anderen ab, die es z. Zt. auf dem Markt gibt. Dabei bietet sie einen erheblichen Kostenvorteil. Zu den Aufgabenfeldern von Qbing zählen auch Prozess- und Technologieberatungsleistungen.


Was steht als Nächstes an?

Als nächsten Schritt wird ein LEO Locative in der Smartfactory Saarbrücken integriert und dort ein Treffen mit den regionalen Vertriebsmitarbeitern initiiert. Glücklicherweise ist die Smartfactory derzeitig komplett mit BITO Regalsystemen und Behältern ausgestattet, so dass dieser Showroom sich auch sehr gut für BITO Kundentermine eignet.

Dieses Jahr wollen wir noch abschließen: HEADIS. Für deren neuestes Projekt hat BITO bereits ein Spritzgusswerkzeug  angelegt, da es zum Teil aus Kunststoff besteht. Für HEADIS haben wir ja schon eine Marketingpartnerschaft übernommen. Über Youtube wurden Videos, in denen BITO als Sponsor zu sehen war, schon weit über 30 Mio. mal angeschaut.

Auch noch dieses Jahr wollen wir Nelumbox abschließen. Ein Darmstädter Startup, das eine Kühlbox für die Lagerung oder den Transport von medizinischen oder pharmazeutischen Gütern entwickelt hat. Dahinter steckt ein patentiertes aktives Kühlsystem mit einer besonders hohen Effektivität, die z.B. den Transport temperatursensibler Güter über mehrere Tage möglich machen kann.

Ende November haben wir einen Term Sheet, also eine Absichtserklärung mit der Entrepreneural Innovators Group Europe unterzeichnet: Die EIG ist ein internationales Netzwerk von Gründern. Gegründet von einem Professor in Südkorea, der die letzten 12 Jahre in den USA gelehrt hat und nun sein Netzwerk auf Europa ausbreiten will. Diese Absichtserklärung sieht vor, dass zwei der Mitarbeiter, einer aus Texas und einer aus Südkorea, im Frühjahr zu uns nach Meisenheim kommen. Sie werden ihre Europazentrale hier bei uns im BITO CAMPUS einrichten. Dann heißt es: EIG in Seoul – Austin – Meisenheim.

Für den Umweltcampus Birkenfeld haben wir zwei Projekte. Das erste wird im Frühjahr starten. Es geht um Hackathons für Schulen und Unternehmen (also gemeinschaftliche Veranstaltungen, um nützliche, kreative oder unterhaltende Software zu kreieren). Geplant ist langfristig, zwei Mitarbeiter aus dem Projekt „Digitalisierung des ländlichen Raums“ nach Meisenheim zu holen. Der Projektantrag ist gestellt und befindet sich in der ersten Stufe der Genehmigungsphase.


Was ist Ihnen zudem noch wichtig?

Der BITO CAMPUS ist ein mutiges und für die Region einmaliges Projekt und eine Chance für alle. Das sehe ich nach wie vor so und immer mehr, je länger ich hier tätig bin. Es war klar, dass erst mal viel Herzblut und Initiative in das Projekt hineingesteckt werden muss, um die in der Regel jungen Menschen und Gründer, die wir hier gerne bei uns haben wollen, für eine Location wie Meisenheim zu begeistern. Das man uns an einem Ort, der eben infrastrukturell nicht unbedingt das bietet, was Städte wie Berlin oder München tun und in denen sich die Gründerszenen tummeln, nicht von der ersten Sekunde an die Türen einrennen wird, das hat mich weder überrascht noch beunruhigt es mich. So ein Projekt braucht einen langen Atem und vor allem auch viel Innovationsgeist, viel kreativen Mut und jede Menge Flexibilität. Aber von all dem habe ich genug. Das macht es für mich spannend.

Ganz wichtig ist mir auch noch mal zu sagen: Wer zu uns kommen will, kommt vorbei. Die lockere Atmosphäre, die hier herrscht und herrschen soll, ist das, was Zukunft ist. Der entsprechende Umgang miteinander, die entspannte und inspirierende Kommunikation, die ein Ort wie der BITO CAMPUS möglich macht, ist einmalig – und jeder, ob diejenigen, die sich hier einmieten, die BITO Mitarbeiter oder alle, die uns besuchen, sollen die Begeisterung, die ich – und die wir alle hier im CAMPUS für das Projekt haben – spüren und leben.


Danke für die interessanten Einblicke, Richard Haxel. Ihnen und dem BITO CAMPUS weiter viel Erfolg und viele weitere spannende Projekte!