Mit Ermutigung Potenziale nutzbar machen

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Mit Sprichwörtern wie „Eigenlob stinkt“ und „Bescheidenheit ist eine Zier“ sorgen wir in unserer Gesellschaft – mittlerweile seit Genera­tionen – dafür, dass so mancher Stern mit seinem Licht unter dem Scheffel bleibt. Das Potenzial fähiger Mitarbeiter bleibt damit häufig unentdeckt und diese sind somit als besondere Form der Mogelpackung unterwegs.

Das Image bzw. der Ruf einer Person im Unternehmen bildet sich automatisch.
Er setzt sich zusammen aus dem Erscheinungsbild, dem Verhalten und dem, was über die Person gesprochen wird. Imagebildung dem Flurfunk zu überlassen, macht es unnötig schwer, sowohl persönliche als auch geschäftliche Ziele zu erreichen. Mitarbeiter zur Imagepflege zu ermutigen, hilft dagegen ein stimmigeres Bild seiner Mitarbeiter zu bekommen. Speziell in Zeiten, in denen Fachkräftemangel immer spürbarer wird, ist es für Führungskräfte sogar erfolgsentscheidend, die Perlen im eigenen Team zu erkennen und zu fördern.

Rät man Menschen aktiv zur Meinungsbildung, Imagepflege oder Reputationssteuerung, ist das meist nicht nur negativ belegt, sondern wird teils sogar massiv abgelehnt. Erziehung sei Dank. Dabei machen wir uns immer ein Bild von den Menschen, mit denen wir es zu tun haben. Viel üblicher ist es hingegen – und das nicht nur in Unternehmen – schlecht über andere zu sprechen, obwohl es offiziell natürlich verpönt ist. Irgendetwas scheint da in der Kinderstube sehr schief gelaufen zu sein. »

Obwohl die Mitarbeiter häufig als wichtiges Gut für den unternehmerischen Erfolg angesehen werden, bleibt für Führung meist zu wenig Zeit. Zu häufig ist in Unternehmen der Großteil der Mannschaft mit angezogener Handbremse unterwegs. Darüber hinaus werden Potenziale nicht erkannt und damit selbstverständlich auch nicht gefördert. In der Folge bleibt das Unternehmen insgesamt in seiner Leistungskraft deutlich hinter dem zurück, was eigentlich möglich und häufig auch dringend nötig wäre.

Es entsteht ein Teufelskreis: Mit situativem Aktionismus müssen Krisen bewältigt werden oder gute Leute gehen – aufgrund mangelnder Wertschätzung und Anerkennung – verloren. Und damit auch Potenzial und Knowhow für das Unternehmen. Vom (Führungs-)Aufwand für Neubesetzungen reden wir an dieser Stelle noch gar nicht. Führungskräfte und Unternehmen profitieren also nachhaltig, wenn Erfolge, Fähigkeiten und Verbesserungsvorschläge ihrer Mitarbeiter auch bekannt werden. Sie sollten ihr Team deshalb konsequent und aktiv zur Imagepflege motivieren.

5 Tipps: Ermutigung zur Imagepflege leicht gemacht

Die nachfolgenden Praxistipps helfen Ihnen, sofern konsequent umgesetzt, Ihre Mit­arbeiter zur aktiven Imagepflege zu ermutigen und damit selbst als Führungskraft
erfolgreicher zu werden.

1. Schenken Sie ein Erfolgstagebuch

Wer sich regelmäßig selbst seine Erfolge bewusst macht, ist
unabhängiger von der Anerkennung durch andere und strahlt damit automatisch mehr Souveränität aus.

Schenken Sie Ihren Mitarbeitern ein kleines Notizbüchlein, um darin regelmäßig – mindestens wöchentlich – zu notieren, was ihnen alles gut gelungen ist. Gerne auch die kleinen Dinge. Also beispielsweise, wenn er/sie sich erfolgreich überwunden hat, einen unliebsamen Anruf zu tätigen, oder eine Aufgabe nach
eigenem Ermessen besonders gut erledigt hat, etc.

2. Wer fragt, der führt

Fragen Sie vor allem Ihre eher leisen und bescheidenen Mitarbeiter / Kollegen (für Fortgeschrittene darf es gerne auch der Chef sein) regelmäßig, was sie aus ihrer Sicht in letzter Zeit als Erfolg betrachten. Wenn Sie vorher das Erfolgstagebuch verschenkt haben, bekommen Sie jetzt wirklich hilfreiche Antworten. Und fragen Sie auch ganz konkret danach, wo etwas
verbessert werden kann. In Meetings lässt sich das besonders gut in folgender Struktur einbinden:

1. Was ist richtig gut gelaufen?

2. Wo dürfen wir noch nachbessern?

3. Was läuft gar nicht?

Besonders wichtig hier: Zeigen Sie ehrliches Interesse und geben Sie dem Gegenüber Zeit zu antworten. Teilweise gilt es hier, auch schon mal einige Momente der Stille auszuhalten.

3. Sie können nicht genug loben

Schärfen Sie den eigenen Blick für Stärken, Potenziale und
Erfolge Ihrer Mitarbeiter. Durch regelmäßiges Lob helfen Sie Ihren Mitarbeitern, diese Dinge dann mehr und mehr selbst wahrzunehmen. Auch scheinbare Kleinigkeiten dürfen gelobt werden. Es geht in der Regel nicht darum, ob es etwas zu loben gibt, sondern darum, ob man etwas zu loben finden möchte. Selbstverständlich sollte Lob immer ehrlich gemeint sein!

Durch die folgende Struktur fällt es sowohl Ihnen leichter zu loben, als auch Ihren Mitarbeitern dieses Lob anzunehmen:

1. Fakten beschreiben:
„In den letzten drei Monaten waren alle Ihre Statistiken übersichtlich und ohne Fehler.“

2. Erläuterung:
„Ich musste keinerlei Korrekturen vornehmen.“

3. Selbstauskunft:
„Darüber war ich sehr froh, weil ich unter Zeitdruck stand.“

4. Dank:
„Vielen Dank, dass ich mich so gut auf Sie verlassen kann!“

4. Seien Sie Vorbild

Um zu vermeiden, dass nun die allseits unbeliebten „Dampf­plauderer“ das Feld komplett übernehmen, ist es wichtig, als Vorbild zu fungieren. Persönliche Imagepflege ist speziell auch für Führungskräfte wichtig. Sowohl das Sprechen über eigene
Erfolge, als auch über persönliche Standpunkte. Welche Optimie­rungsansätze und konkrete, konstruktive Verbesserungs­vorschläge haben Sie mitzuteilen?

Zur Imagepflege trägt ebenfalls bei, die eigene Meinung klar und konsequent zu vertreten. So leben Sie Ihren Mitarbeitern das Verhalten vor, das Sie gerne sehen möchten. Hier profitieren Sie sogar doppelt, denn nun prägen auch Sie das Bild, das Ihr Chef von Ihnen hat, in Ihrem Sinne.

5. Keine Macht dem FlurFunk

Dulden Sie in Ihrer Gegenwart zu keiner Zeit, dass schlecht oder gar geringschätzig über andere gesprochen wird. Sei es über Chefs, Kollegen oder Mitarbeiter. Unabhängig von Ihrer persön­lichen Meinung zur Person oder Situation.

Ermutigen Sie doch die „Funker“ stattdessen zur offenen Ansprache der Kritikpunkte oder zur Aussprache mit der jeweiligen Person. So erfahren Sie zwar die neuesten Gerüchte nicht mehr, leisten aber einen wichtigen Beitrag zum Betriebsklima. Zusätzlich dienen Sie niemandem mehr als „Klagemauer“ und haben dadurch mehr Zeit für Ihre Arbeit oder den Austausch über
erfreuliche Dinge.

Von Miriam J. Hohenfeldt,
zertifizierter Coach
www.network-angel.de